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- WALTER STÖHRER
Walter Stöhrer Stöhrer in der Sammlung DEILMANN Die Psyche ist der zentrale Impuls in Walter Stöhrers Arbeiten. Mit kraftvollen Linien und reduzierten Kompositionen visualisiert er das Unbewusste und die inneren Konflikte des Menschen. Seine abstrakten Werke schaffen eine intensive Spannung zwischen Raum und Abwesenheit, die den Betrachter dazu anregt, emotionale und psychische Tiefen zu erfassen und zu reflektieren. Anna Deilmann, Kuratorin der Sammlung DEILMANN Walter Stöhrer 1978 Walter Stöhrer entfaltete seine künstlerische Vision jenseits etablierter Strömungen und prägt die deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Weise. Aufgewachsen im Schwarzwald, fand er früh seine Leidenschaft für die Malerei und ließ sich von der freien Geste des abstrakten Expressionismus inspirieren. Während seiner Ausbildung an der Kunstakademie Karlsruhe und später in Berlin formte sich sein unverwechselbarer Stil, der sich weder von der Pop Art noch von der Konzeptkunst beeinflussen ließ. Stattdessen verschmolzen in seinen großformatigen Werken lebendige Grundfarben wie Rot, Blau und Gelb mit Versatzstücken der realen Welt, die er zu einem geheimnisvollen visuell-chiffrierten Dialog formte. Seine Bilder, die an die spontanen Kritzeleien der COBRA-Künstler und an die Visionen der Art brut erinnern, gehen weit über die bloße Abstraktion hinaus. Sie sind tief in literarischen Auseinandersetzungen verwurzelt, inspiriert von Autoren wie Antonin Artaud und Unica Zürn. Stöhrer befasste sich intensiv mit den surrealistischen Techniken, doch seine Werke tragen eine eigene Handschrift: Sie sind impulsiv, aber nie chaotisch – eine ständige Balance zwischen Struktur und freier Entfaltung. Daneben ist sein umfangreiches Werk der Radierung zu nennen, das ebenso bedeutend wie seine Malerei ist. Trotz seines Einflusses blieb Stöhrers Kunst einzigartig, reflektierte nicht nur die Zeit, sondern hinterfragte immer wieder die Grenzen von Form und Inhalt. Stöhrer taucht tief in die menschliche Psyche ein, indem er das Unsichtbare sichtbar macht. Seine Werke sind nicht bloße Darstellungen von Form und Farbe, sondern Entwürfe der inneren Welt, die sich als greifbare Entitäten manifestieren. Mit kräftigen Pinselstrichen und präzisen Radierungen gibt er den unbewussten Kämpfen, den Ängsten und den Sehnsüchten eine physische Existenz. Seine Gemälde wirken wie Fenster in die Tiefen des menschlichen Geistes, wo emotionale Turbulenzen und innere Konflikte in dynamische, fast fühlbare Strukturen überführt werden. Es ist, als ob er die unsichtbaren Prozesse des Denkens und Fühlens auf die Leinwand projiziert und dem Betrachter einen direkten Zugang zu einem seelischen Universum gewährt. Vom Inneren nach außen In Stöhrers reduzierten Kompositionen wird der Raum selbst zur treibenden Kraft seiner Werke. Mit fast leeren Flächen und minimaler Detailfülle lässt er die Abwesenheit von Form zur präsentesten Entität werden. Doch gerade in dieser Leere entsteht eine subtile Spannung – ein Dialog zwischen dem, was da ist, und dem, was fehlt. Der Betrachter wird eingeladen, den Raum nicht als leeren Bereich, sondern als aktiven Teil des künstlerischen Geschehens zu erleben, der Fragen zur Bedeutung von Abwesenheit und der Wahrnehmung von Raum aufwirft. In der Reduktion liegt die Kraft, die die Vorstellungskraft herausfordert und die Wahrnehmung vertieft. Dialog mit der Leere Mit seinen kraftvollen, abstrahierten Formen erschafft Stöhrer eine visuelle Poesie, die über das Sichtbare hinausgeht. In seinen Gemälden und Radierungen entzieht er sich der traditionellen Formensprache und öffnet stattdessen einen Raum, in dem Emotionen und Assoziationen in den Vordergrund treten. Jeder Pinselstrich, jede Linie erzählt eine Geschichte, die im Betrachter persönliche Eindrücke und tiefgreifende Reflexionen hervorrufen kann. Es ist eine Einladung, das Unaussprechliche greifbar zu machen – eine poetische Erkundung der abstrakten Malerei, die sowohl visuell als auch emotional fesselt. Poesie der Abstraktion in der Sammlung Deilmann Künstler der Sammlung Voriger Künstler Alle Künstler Nächster Künstler •1962: Ölbilder, Galerie Schüler, Berlin •1965: Walter Stöhrer, Galerie nächst St. Stephan, Wien •1976: Walter Stöhrer, Galerie Georg Nothelfer, Berlin •1983: Walter Stöhrer. Arbeiten 1962–1983, Kunsthalle Bremen, Bremen 1984: auch Kunstmuseum Düsseldorf, Düsseldorf und Saarlandmuseum, Saarbrücken; Galerie Georg Nothelfer, Berlin •1989: Bilder 1961 bis 1988, Berlinische Galerie im Martin-Gropius-Bau •1990: Malerei auf Bütten, Galerie Roswitha Haftmann Modern Art, Zürich Neue Bilder, Kunsthalle zu Kiel und Schleswig-Holsteinischer Kunstverein •1993: Walter Stöhrer. Neue Arbeiten, Galerie Georg Nothelfer, Berlin •1994: Frühe Radierungen, Kunsthalle Bremen, Bremen •1995: Werke auf Papier, Galerie Roswitha Haftmann Modern Art, Zürich Werke auf Papier 1959–1995, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe •1995: Malerei, Galerie der Stadt Stuttgart •1998: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloß Gottorf Kunstverein Hannover, Hannover •1999: Malerei – Bilder auf Texten, Spendhaus, Reutlingen •2000: Maleri/Malerei, Sønderjyllands Kunstmuseum, Tønder, Dänemark •2002: Ich schreie in meinem Kopf – Bilder aus dem Nachlass, Bielefelder Kunstverein, Bielefeld •2005: Radierung und Bild, Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart •2006: Vita Nova. Neun Gemälde aus den 1990er Jahren, Sprengel-Museum, Hannover •2007: Bilder – Zwischen Hand, Herz, Kopf und Bauch, Ulmer Museum, Ulm •2008: Larvenhafte Bilder – Radierungen von Walter Stöhrer, Kunsthalle Bremen, Bremen •2010: Walter Stöhrer – Kraftfelder, Retrospektive, Museum Küppersmühle, Duisburg •2016: Walter Stöhrer – Black Man, Museum Wiesbaden, Wiesbaden •2019: Walter Stöhrer. Intrapsychischer Realismus, Galerie Georg Nothelfer Ausstellungen •1962: Deutscher Kunstpreis der Jugend, Stuttgart •1964: Deutscher Kritikerpreis für den Bereich Bildende Kunst •1971: Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste, Berlin •1976: Kunstpreis Berlin, Berlin •1977: Villa-Romana-Preis, Florenz •1980: Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen •1982: Kunstpreis der Stadt Nordhorn •1995: Hans-Molfenter-Preis, Stuttgart •1999: Jerg-Ratgeb-Preis, Reutlingen •2000: Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft, Schleswig Auszeichnungen Die Linie wird bei Stöhrer zum lebendigen Organismus, der ständig seine Form verändert und sich neu definiert. In seinen Arbeiten überschreiten die markanten Linien die Grenzen der Leinwand, fließen in den Raum und ziehen den Betrachter in ein visuelles Spiel von Flächen und Tiefen. Was auf den ersten Blick als klare Struktur erscheint, entpuppt sich als ein sich stetig wandelnder Prozess, der die konventionellen Vorstellungen von Malerei und Skulptur herausfordert. In seiner unaufhörlichen Transformation schafft er Werke, die sich nicht nur in der Fläche entfalten, sondern auch im Raum, und so eine neue Dimension der Abstraktion eröffnen. Die Linien, die bei ihm so dominant und kraftvoll wirken, verschwimmen und verlieren ihre Definition, um neue, vieldeutige Formen zu bilden – ein fortwährender Dialog zwischen Festem und Fließendem. Transformation der Linie
- CLAES OLDENBURG
Claes Oldenburg Oldenburg in der Sammlung DEILMANN Oldenburgs Werke sind ein klarer Bruch mit den üblichen Vorstellungen von Kunst. Durch die Vergrößerung alltäglicher Objekte stellt er Konsum und Kunst auf den Kopf. Seine Arbeiten schaffen neue Perspektiven und kritische Impulse, die auch die Sammlung Deilmann bereichern. Anna Deilmann, Kuratorin der Sammlung DEILMAN Claes Oldenburg von Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 Claes Oldenburg (1929-2022), ein Meister der Verfremdung und des Witzes, schuf Kunstwerke, die die vertrauten Gegenstände des Alltags auf eine grandiose, humorvolle und oft auch tiefgründige Weise hinterfragten. Geboren 1929 in Stockholm als Sohn eines schwedischen Diplomaten, wuchs Oldenburg in einer Welt auf, die ihn mit verschiedenen Kulturen und Perspektiven vertraut machte. Schon während seines Studiums in Yale und am Art Institute of Chicago war er von der Abstrakten Kunst beeinflusst, doch es war die Begegnung mit den Künstlern des Happenings, die ihn endgültig zu einem Revolutionär der Pop Art machten. Mit seiner Umwandlung von alltäglichen Objekten in monumentale Skulpturen sprengte Oldenburg die Grenzen der traditionellen Bildhauerei. Dabei nutzte er anfangs einfache Materialien wie Pappmaché und Vinyl, um Objekte zu erschaffen, die im Kontrast zur Realität eine neue Dimension öffneten. Weitere Arbeiten waren die sogenannten „Soft Sculptures“, die Alltagsobjekte überdimensioniert aus flexiblen und weichen Materialien wiedergeben. Ab der Mitte der 1960er Jahre folgten die „Giant Objects“, die Alltagsgegenstände auf eine monumentale Ebene verfrachten und sie somit verfremden. Sie brachen mit der starren Materialität der klassischen Skulptur und machten das Gewöhnliche zu einer aufregenden, oft humorvollen Erfahrung. Vor allem im öffentlichen Raum fanden Oldenburgs „Giant Objects“ Verbreitung. Oldenburgs Werke nehmen Alltagsgegenstände und erheben sie in den Status der Kunst. Doch was zunächst verspielt wirkt, ist immer auch eine kritische Reflexion der Konsumgesellschaft und ihrer Werte. Besonders in seinen gigantischen Skulpturen, wie den „Giant Pool Balls“ in Münster oder „Inverted Collar and Tie“ in Frankfurt, offenbart sich eine Mischung aus Ironie und subtiler Gesellschaftskritik. Diese monumentalen Werke bringen den Betrachter zum Staunen und Lachen, regen aber gleichzeitig dazu an, die Bedeutung von Größe, Macht und gesellschaftlichen Normen zu hinterfragen. In den späten Jahren arbeitete Oldenburg oft mit seiner Frau und künstlerischen Partnerin Coosje van Bruggen zusammen, was zu einigen seiner bekanntesten Werke führte. Diese Partnerschaft manifestierte sich besonders in Arbeiten wie „Clothespin“ von 1976 (Philadelphia, USA) und „Shuttlecocks“ (Kansas City, USA) von 1994, die mit ihrer Monumentalität und gleichzeitigen Banalität die Wahrnehmung des Betrachters auf eine humorvolle Art und Weise auf den Kopf stellen. Oldenburgs Werke sind nicht nur in Museen und Galerien weltweit zu finden, sondern auch im öffentlichen Raum, wo sie als humorvolle Interventionen in die Alltagswelt des Betrachters eingreifen. Sie repräsentiereneine Kunstform, die den Bogen zwischen dem Banalen und dem Monumentalen schlägt und uns immer wieder einlädt, die Welt mit neuen Augen zu sehen. In Münster, wo seine „Giant Pool Balls“ seit den Skulptur Projekten 1977 das Stadtbild zieren, zeigt sich Oldenburgs Einfluss auf die Kunst des öffentlichen Raums auf besonders eindrucksvolle Weise. Indem Oldenburg alltägliche Objekte des Konsumalltags zu monumentalen Skulpturen transformiert, stellt er die Frage nach ihrer Bedeutung . Durch diese Vergrößerungen, die banale Gegenstände wie Pizzen oder Zahnbürsten auf die Ebene von Skulpturen heben, hinterfragt Oldenburg die Grenze zwischen Kunst und Konsumkultur. Die Verwandlung von Trivialem in Kunst fordert eine neue Wahrnehmung: Was einst als unbedeutend galt, wird durch die Dimensionen und die Kunstform zu einem bedeutungsvollen Objekt. Diese Skulpturen eröffnen einen Dialog zwischen Alltagsästhetik und Kunst, der uns zum Nachdenken über die Relevanz und den Wert des Konsums in unserer Kultur anregt. Was trivial erscheint, wird durch diese künstlerische Praxis zur Reflexion über den Konsum und Kunst, wodurch die Grenze zwischen beiden verschwimmt. Pop-Kultur In seinen Arbeiten fordert Oldenburg den traditionellen Umgang mit Form und Funktion heraus, indem er alltägliche Gegenstände in völlig neue Formen überführt. Der Materialität kommt bei Oldenburg eine neue Bedeutung zu, welche eine Reflexion über die Entstehung und Veränderung von Objekten im Laufe der Zeit und ihr Verhältnis zu ihrem Umfeld und ihrer gesellschaftlichen Dimension ermöglicht. Was ursprünglich als funktionales Alltagsobjekt wahrgenommen wird, verwandelt sich in eine Skulptur, die sowohl die Funktion als auch die Bedeutung hinterfragt. Durch diese Transformation entsteht eine dynamische Auseinandersetzung mit der Evolution von Form und Funktion, die uns dazu anregt, alltägliche Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und ihre kulturelle Relevanz neu zu definieren. Oldenburgs Skulpturen sind dabei nicht nur Objekte im Raum, sondern auch ein Kommentar zur Veränderlichkeit und zur Wandlung von Bedeutung im Kontext von Kunst und Gesellschaft. Formen im Wandel In seinen frühen Arbeiten zeigte Oldenburg eine bemerkenswerte Fähigkeit, Alltagsobjekte zu verfremden und durch Ironie und satirische Sozialkritik die Wahrnehmung des Konsums zu hinterfragen. Der „Store“ von 1961 war ein bahnbrechendes Beispiel dieser subversiven Auseinandersetzung. Statt den Konsum zu glorifizieren, stellte Oldenburg einen Laden voll überdimensionierter Produkte aus, um die Banalisierung von Objekten und ihre Reduzierung auf bloße Ware zu entlarven. Diese Installation war mehr als eine künstlerische Reflexion des Konsums – sie war eine bewusste Provokation, die das Verständnis von Kunst und Alltagsleben in Frage stellte. Oldenburg wagte einen subversiven Schritt in die Kunstwelt, der später in seine ikonischen monumentalen Skulpturen und Soft-Sculptures mündete. So entstand eine Verbindung zwischen humorvoller Kritik und dem Drang, das Alltägliche in die Sphären der Kunst zu erheben. Subversion in der Sammlung Deilmann Künstler der Sammlung Voriger Künstler Alle Künstler Nächster Künstler •1953: Club St. Elmo, Chicago – Satirische Zeichnungen, Gemeinschaftsausstellung mit Robert Clark (Robert Indiana) •1959: Aktzeichnungen in der Cooper Union •1959: Zeichnungen, Gedichte, kleine Skulpturen in der Judson Gallery, New York City •1960: Ausstellung „The Street“ in der Reuben Gallery, New York City •1960: Teilnahme an New Forms–New Media (I & II) in der Martha Jackson Gallery, New York City – Gruppenausstellung von Installationen und Assemblagen •1961: „Plastische Fragmente aus dem Store“, Gemeinschaftsausstellung Environments. Situations. Spaces in der Martha Jackson Gallery •1961: Eröffnung der Ausstellung The Store in der 107 East/2nd Street, New York City •1962: Erste Giant Objects und Soft Sculptures, Einzelausstellung in der Green Gallery •1963: Dwan Gallery, Los Angeles •1964: Four Environments by Four New Realists, Gemeinschaftsausstellung in der Sidney Janis Gallery, New York City •1964: The Home, Sidney Janis Gallery, New York City •1964: XXXII. Biennale Venedig •1964: Galerie Ileana Sonnabend, Paris •1965: Sidney Janis Gallery, New York City •1966: Moderna Museet, Stockholm. Erste große Retrospektive •1967: Museum of Contemporary Art, Chicago •1968: documenta 4, Kassel •1969: Museum of Modern Art, New York City – Große Retrospektive, auch in Amsterdam, Düsseldorf und London •1970: Stedelijk Museum, Amsterdam •1970: Kunsthalle Düsseldorf •1970: Tate Gallery, London •1972: Documenta 5, Kassel •1975: Claes Oldenburg. Zeichnungen 1954–1974, erste Ausstellung des zeichnerischen Werks in der Kunsthalle Tübingen •1977: Documenta 6, Kassel •1977: Skulptur Projekte, Münster •1982: Documenta 7, Kassel •1989: Lehmbruck-Museum Duisburg, A Bottle of Notes and Some Voyages, Gemeinschaftsausstellung mit Coosje van Bruggen •2011: Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main, MMK 1991–2011. 20 Jahre Gegenwart •2012: MUMOK (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Wien und Museum Ludwig, Köln. Ausstellungen •Museum of Modern Art (MoMA), New York, USA •Tate Modern, London, Großbritannien •Kunsthaus Zürich, Schweiz •Stedelijk Museum, Amsterdam, Niederlande •Museo Tamayo, Mexiko-Stadt, Mexiko •Walker Art Center, Minneapolis, USA •Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA •National Gallery of Art, Washington D.C., USA •Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main, Deutschland •Museum Ludwig, Köln, Deutschland •Neue Nationalgalerie, Berlin, Deutschland •Los Angeles County Museum of Art (LACMA), Los Angeles, USA •Moderna Museet, Stockholm, Schweden Sammlungen Durch die monumentale Vergrößerung alltäglicher Objekte entwirft Oldenburg eine neue Perspektive auf die Welt, in der Kunst und Alltagskultur untrennbar miteinander verbunden sind. Seine überdimensionierten Skulpturen, wie riesige Hamburger oder zerknüllte Papiertüten, sprengen die gewohnte Wahrnehmung und stellen die Bedeutung alltäglicher Konsumgegenstände in Frage. Indem er diese Objekte auf solch extreme Weise vergrößert, entzieht er ihnen ihre praktische Funktion und hebt sie auf eine neue, ästhetische Ebene. Die Grenze zwischen Kunst und Konsum beginnt zu verschwimmen, da die Kunstwerke gleichzeitig Teil der Konsumwelt sind und diese in ihrer surrealen Überhöhung hinterfragen. Oldenburg fordert die Betrachterinnen und Betrachter heraus, das Verhältnis von Funktionalität und Schönheit neu zu denken und die vertrauten Objekte als Kunst zu erleben. Die Welt im Übermaß
- ADOLF LUTHER
LUTHER 2 Aus der Galerie Lichtfügel Künstler Adolf Luther Werk Lichtfügel Inventar-Nr. AD-0045 Datierung 1973 Format 240 x 100 cm Material Aluminiumblech auf Chrom / Luxkarton in Plexiglasrahmen Merkmale Provenienz 2017 Deilmann Stiftung Über das Werk Das Werk „Lichtflügel“ von Adolph Luther besteht aus einem Plexiglasrahmen, dessen Grundfläche ein Spiegel bildet. Darüber befinden sich drei Einheiten, die wie ein Tryptichon angeordnet sind und selbst wie eigene Rahmen wirken. In diesen Einheiten sind streifenförmige Hohlspiegel eingefasst, die teilweise transparent sind. Dadurch entsteht eine Art Lamellenform, in der sich sowohl das Licht als auch der Betrachter selbst widerspiegelt. Die hohlen Spiegel und die Lamellen führen dazu, dass das Spiegelbild teilweise auf den Kopf gestellt und zerteilt wird. Je nachdem, wie nah man am Werk steht, verändert sich die Reflexion und das Bild wird zu einem dynamischen, sich ständig verändernden Erlebnis. Sowohl in den Hohlspiegeln als auch in der Spiegelfläche an der Rückwand kann man sich selbst und das Licht sehen – aber immer in wechselnden Formen und Fragmenten. Adolph Luther (1912–1990) begann seine berufliche Laufbahn als Jurist, bevor er 1957 die Richterlaufbahn zugunsten der Kunst aufgab. Seine wissenschaftliche Ausbildung in Rechtswissenschaften prägte seinen analytischen und präzisen Zugang zur Kunst. Mit dieser rationalen Herangehensweise und einer Leidenschaft für Licht und Technik entwickelte Luther Werke, die ästhetische Klarheit mit technischer Innovation verbinden. Mit seinen Hohlspiegelobjekten, Lichtinstallationen und später Laserarbeiten hinterfragt er die Wahrnehmung des Betrachters und integriert die Werke aktiv in den Raum. Durch die gezielte Brechung und Spiegelung von Licht entstehen dynamische Effekte, die den Raum selbst verändern und den Betrachter in das Werk einbeziehen. „Lichtflügel“ zeigt Luthers Fähigkeit, Raum, Licht und Reflexion zu einem interaktiven Erlebnis zu verbinden. Die Spiegelobjekte gehen über einfache Reflexion hinaus, indem sie die Umgebung verzerren, den Betrachter einbeziehen und eine kontinuierliche Wechselwirkung zwischen Realität und künstlerischer Wahrnehmung erzeugen. Luthers Arbeiten machen Licht zu einer aktiven, formenden Kraft und lassen den Betrachter die Essenz der Wahrnehmung selbst erleben. Über das Werk - in kindgerechter Sprache Das Kunstwerk „Lichtflügel“ von Adolph Luther ist wie ein magischer Spiegelkasten. Die Grundfläche besteht aus einem Spiegel, darüber sind drei Rahmen, die wie kleine Fenster angeordnet sind. In diesen Rahmen stecken streifenförmige Hohlspiegel, die teilweise durchsichtig sind. Zusammen sehen sie aus wie Lamellen, also kleine schmale Flächen, die das Licht und den Betrachter spiegeln. Wenn man in die Spiegel schaut, wird das eigene Spiegelbild manchmal auf den Kopf gestellt oder in Stücke zerlegt. Je nachdem, wie nah man an das Werk herangeht, sieht alles anders aus – mal zersplittert, mal wie ein Wirbel aus Licht. Man sieht sich selbst und das Licht auf immer neue, überraschende Weise. Adolph Luther (1912–1990) war zuerst Jurist, also jemand, der mit Gesetzen arbeitet. 1957 entschied er sich aber, Künstler zu werden, weil er sich für Licht und Technik begeisterte. Mit seinen Spiegelobjekten, Lichtinstallationen und später auch Laserarbeiten wollte er zeigen, wie Licht den Raum verändern kann. Mit „Lichtflügel“ lädt er die Betrachter ein, selbst Teil des Kunstwerks zu werden. Die Spiegel verzerren und verändern, was man sieht, und machen das Betrachten zu einem spannenden Erlebnis. So wird Licht zu etwas, das formt, spielt und überrascht, und man merkt: Wie wir die Welt sehen, hängt auch davon ab, wie wir darauf schauen. Über das Werk - in einfacher Sprache Das Kunstwerk „Lichtflügel“ besteht aus einem Rahmen aus Plexiglas. Darin ist ein flacher Spiegel. Über dem flachen Spiegel sind drei Boxen, die wie eigene Fenster aussehen. In diesen Boxen sind gebogene Spiegel befestigt. Sie sehen aus wie Streifen. Diese Spiegel sind teilweise durchsichtig. Darin spiegelt sich das Licht. Man spiegelt sich auch selbst darin. Die Spiegel stellen das Spiegelbild manchmal auf den Kopf. Manchmal wird das Spiegelbild in Stücke geteilt. Das Spiegelbild verändert sich wenn man nah davor steht. Es verändert sich auch, wenn man weiter weg steht. Das Spiegelbild verändert sich, wenn du dich davor bewegst. Adolph Luther war zuerst Jurist und arbeitete mit Gesetzen. Später entschied er sich, Künstler zu werden. Er liebte Licht, Technik und Experimente. Mit seinen Spiegeln wollte er zeigen, wie Licht und Raum sich verändern können. Bei „Lichtflügel“ wird der Betrachter selbst Teil des Kunstwerks. Die Spiegel verzerren das Bild. Das Schauen ist dadurch spannend und überraschend. So zeigt Luther, dass sehen immer auch eine Erfahrung ist. Adolf Luther Voriges Werk Alle Werke Nächstes Werk
- Re+Aktion | Sammlung Deilmann
Ein gemeinsames Ausstellungsprojekt mit dem Schlaun-Gymnasium Re+Aktion Mehr zum Projekt Re+Aktion – Ein Ausstellungsprojekt mit dem Schlaun-Gymnasium Münster Mit dem Projekt Re+Aktion öffnet die Sammlung Deilmann ihre Ausstellungsräume für junge künstlerische Positionen und lädt Schülerinnen und Schüler des Schlaun-Gymnasiums Münster dazu ein, sich aktiv mit Kunst auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt ist die direkte Begegnung mit den Werken der Sammlung: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit einzelnen Arbeiten auseinander, beobachten, analysieren und entwickeln darauf aufbauend eigene künstlerische Reaktionen. So entstehen vielseitige Arbeiten, die bestehende Motive aufgreifen, weiterdenken oder bewusst neue Perspektiven eröffnen. Re+Aktion versteht sich dabei als offener Denk- und Experimentierraum. Die entstandenen Werke treten in einen Dialog mit den Originalen – mal nah dran, mal als bewusster Gegenentwurf. Genau in diesem Spannungsfeld liegt der Reiz des Projekts: Es geht nicht nur um fertige Ergebnisse, sondern vor allem um den Prozess des Wahrnehmens, Hinterfragens und Weiterentwickelns. Die Ausstellung macht diese individuellen Zugänge sichtbar und lädt dazu ein, die Vielfalt der entstandenen Arbeiten zu entdecken. Alessandro o. T. 50 x 70 cm Bleistift & Kohle auf Papier In meiner Arbeit habe ich bewusst mit symbolischen Elementen gearbeitet. Das Werk „Edith“ bezieht sich auf die biblische Erzählung von Sodom und Gomorra: Lots Frau blickt trotz des Verbots auf die brennende Stadt zurück und erstarrt zur Salzsäule. Diese Szene habe ich zeichnerisch umgesetzt. Auf DIN-A2-Papier habe ich die Komposition zunächst mit Bleistift angelegt und anschließend mit Kohle ausgearbeitet und schattiert. Durch die reduzierte, kontrastreiche Darstellung versuche ich, den Moment des Innehaltens und der Konsequenz sichtbar zu machen. Emil o. T. 24 x 43 x 25 cm Draht Für meine künstlerische Reaktion habe ich die Skulptur „Chi“ von Norbert Kricke gewählt, da mich insbesondere ihre Dynamik und Leichtigkeit angesprochen haben. Die filigrane, beinahe skizzenhafte Linienführung des Metalls vermittelt ein Gefühl von Bewegung und Freiheit, das ich in meiner Arbeit aufgreifen wollte. Ich habe Figuren aus dünnem Draht geformt, die sich in ihren Haltungen ineinander verschränken. Sie stehen dicht beieinander, ohne sich gegenseitig einzuschränken, und bleiben dabei in ihrer Bewegung frei. Meine Skulptur soll so ein Spannungsfeld zwischen Nähe, Bewegung und individueller Freiheit erzeugen. Philip & Konrad Die endlose Sucht 40 x 50 x 30 cm Smartphone, Holz, Textil Unser Kunstwerk ist inspiriert von Rosa Barbas Arbeit „Uncertain Theme“, in der mechanische Bewegung und Licht zentrale Gestaltungselemente sind. Ausgangspunkt unserer Auseinandersetzung ist die alltägliche Gewohnheit des endlosen Scrollens auf Social-Media-Plattformen wie TikTok. Für unsere Umsetzung haben wir eine Vorrichtung entwickelt, in der ein Smartphone fixiert ist und kontinuierlich Scrollbewegungen in einer Dauerschleife zeigt. Das Gerät wird so zu einer Art Maschine, die das repetitive Wischen automatisiert und sichtbar macht. Ähnlich wie bei Rosa Barba wird die Technik selbst zum Bestandteil des Kunstwerks. Die gleichförmige Bewegung erzeugt einen beinahe hypnotischen Rhythmus und verweist auf die Monotonie digitaler Nutzung. In der abgedunkelten Box fungiert das leuchtende Display als einzige Lichtquelle und zieht den Blick der Betrachtenden gezielt an. Unsere Arbeit macht die mechanischen und sich wiederholenden Abläufe hinter der Nutzung sozialer Medien sichtbar und hinterfragt die Selbstverständlichkeit, mit der diese in den Alltag integriert sind. Brandon o. T. 70 x 50 cm Fotodruck auf Papier In meiner Arbeit verwende ich echte Zeitungen als künstlerisches Material. Sie fungieren nicht mehr nur als alltägliche Objekte, sondern als Zeitdokumente und Träger politischer Inhalte. Die Zeitungen werden gestapelt und aneinandergereiht, bis ein Moment der Instabilität entsteht und eine einzelne Zeitung aus dem System herausfällt. Auf dieser ist ein politisches Thema abgebildet – in meinem Fall Donald Trump. Die Szene halte ich fotografisch fest. Der dunkle Hintergrund lenkt den Fokus auf das Geschehen und schafft eine ruhige, konzentrierte Bildwirkung. Der fallende Teil des Stapels steht sinnbildlich dafür, wie Krisen aus scheinbar stabilen Systemen hervortreten und plötzlich sichtbar werden. Lotte o. T. 12 x 16 x 9 (Figur); 14 x 15 x 13 (Sockel) Ton, Acryl Ausgangspunkt meiner Arbeit ist das Werk „Lichtflügel“ von Heinz Mack, dessen kühle, metallische Form mich besonders beeindruckt hat. Mein Ziel war es, ein bewusstes Gegenbild zu schaffen. Statt einer schützenden Hülle zeige ich einen fragmentierten, nackten Oberkörper aus Ton. Der Kontrast zwischen kaltem Metall und warmem, organischem Material steht im Zentrum meiner Überlegungen. Der Körper ruht auf einem mehrschichtigen Sockel aus organischen Formen, der Wachstum und Natürlichkeit symbolisiert. Die ausgearbeiteten Muskeln verweisen auf gesellschaftliche Ideale von Stärke, wirken durch die Unvollständigkeit jedoch zugleich verletzlich. Nadia & Anna o. T. 100 x 47 cm Spiegel, Federn, Karton, Papier, Acryl Unser Kunstobjekt zeigt Engelsflügel, die mit zahlreichen Spiegelsteinen besetzt sind. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit den „Lichtflügeln“ von Adolf Luther, der Licht als eigenständiges künstlerisches Material verstand. Ähnlich wie bei Luther wird Licht auch in unserer Arbeit aktiv einbezogen: Die Spiegelsteine reflektieren das Umgebungslicht und werfen es in den Raum zurück. Dadurch entstehen wechselnde Lichtprojektionen, die das Werk je nach Perspektive verändern. Der Betrachter wird Teil der Installation, da sich das Erscheinungsbild durch Bewegung und Lichtverhältnisse ständig wandelt. Juliette & Anni o. T. 23 x 32 x 11 cm Ton, Acryl Wir haben uns für „Talking to Thunder“ von Julius von Bismarck entschieden, da uns die zunächst unscheinbare, aber inhaltlich vielschichtige Arbeit besonders angesprochen hat. Der Künstler setzt sich mit Naturgewalten auseinander und macht Blitze mithilfe technischer Mittel sichtbar. Ausgangspunkt war unter anderem eine Rentierherde, die durch einen Blitzeinschlag ums Leben kam. Unsere Reaktion greift diesen Zusammenhang auf: Wir haben ein Rentier modelliert, dessen Geweih aus Blitzen besteht. Die aufrechte Haltung symbolisiert die Kraft der Natur, die oft unterschätzt wird, während die ungewöhnliche Verbindung die verborgene Geschichte hinter dem Werk sichtbar macht. Diyar & Mohammed o. T. 40 x 41 x 25 cm Stein, Draht, Federn In Krickes Werk haben wir Formen erkannt, die uns an Federn erinnerten – insbesondere an die Spuren eines Kampfes zwischen Vögeln. Auch die Schattenwirkung der Skulptur haben wir in unsere Überlegungen einbezogen. Unsere Arbeit besteht aus schwarzen und weißen Federn, die mit Draht befestigt und geformt wurden. Die schwarzen Federn stehen für Zerstörung und Kampf, während die weißen einen Kontrast bilden und Aspekte von Freiheit und Leichtigkeit aufgreifen. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Gewalt und Freiheit. Agata & Diana o. T. 70 x 50 cm Wolle, Acryl, Metall Wir haben uns mit dem Werk von Arman auseinandergesetzt, insbesondere mit seinem Umgang mit Alltagsgegenständen und den Themen Konsum und Akkumulation. Diese Aspekte übertragen wir auf den Überkonsum von Kleidung. Rote Wolle steht dabei symbolisch für textile Materialien. Durch das Anhäufen der Fäden machen wir Überfluss sichtbar. Die Arbeit überschreitet bewusst die Fläche und greift in den Raum aus, um zu zeigen, dass Konsum kein klares Ende kennt. Unterschiedliche Rottöne nehmen Bezug auf Armans Farbwelt. Mona Blüten auf der Wasseroberfläche 70 x 50 cm Aquarell, Kunststoff Das Werk zeigt Blüten, die auf einer Wasseroberfläche treiben und sich darin spiegeln. Die Spiegelung ist jedoch irritierend, da sie mehr Blüten zeigt, als tatsächlich vorhanden sind. So entsteht ein Spiel zwischen Realität und Illusion. Während der Hintergrund in weichen Aquarellverläufen gehalten ist, treten die Blüten plastisch hervor. Die Arbeit thematisiert Wahrnehmung und die Frage, inwieweit das Gesehene ein Abbild der Realität oder ein Produkt der Vorstellung ist. Elisabeth & Taiyaba o. T. 22 x 17 x 9 cm Ton, Acryl Unsere Arbeit setzt sich mit der „Victoire de Samothrace“ von Yves Klein auseinander, die für uns Stärke, Bewegung und Triumph verkörpert. Wir entwickeln bewusst eine Gegenposition: Statt Sieg und Erhabenheit thematisieren wir Scheitern und Fall. Unsere Figur – ein kniender Teufel mit gebrochenen Flügeln – steht im Kontrast zur aufrechten Göttin. Der fehlende Kopf verbindet beide Darstellungen und verstärkt die Symbolik. Die Materialwahl (Ton und rote Farbe) unterstreicht Körperlichkeit und Dramatik. Roman & Henri o. T. 21 x 30 cm Papier, Acryl Unser Kunstwerk bezieht sich auf das Gemälde „Blüten“ von Cornelius Völker. Besonders inspiriert hat uns die Farbigkeit und die ruhige, reflektierende Wasseroberfläche. Wir haben das Motiv als Paper Art umgesetzt: Gerollte Papierstreifen bilden die Wasserstruktur, während gefaltete Origami-Blüten eine zweite, plastische Ebene schaffen. Der entstehende 3D-Effekt verstärkt die Wirkung der Blüten. Inhaltlich stehen sie für Gedanken und Gefühle, die auftauchen und wieder vergehen. Jule o. T. 80 x 100 cm (Spiegel); 80 x 200 cm (Holzbrett) Glas, Papier, Acryl, Holz Ich habe mich mit Adolf Luthers „Lichtflügeln“ auseinandergesetzt, insbesondere mit ihrer Offenheit und Unbegrenztheit. Ausgehend vom Titel entwickelte ich eine Gegenposition: Statt Licht und Ordnung thematisiere ich Schatten und Auflösung. Motten dienen dabei als Symbol, da sie vom Licht angezogen werden. Die geordnete Spiegelstruktur Luthers wird in meiner Arbeit bewusst gebrochen und fragmentiert. Janek o. T. 50 x 70 cm Bleistift & Kohle auf Papier Ich habe mich für den „Römischen Kopf“ entschieden, da mich seine inhaltliche Tiefe beeindruckt hat. In meiner Arbeit zeige ich eine Person mit einer Maske, die Glücklichkeit suggeriert, während das eigentliche Gesicht Traurigkeit ausdrückt. Die Zeichnung entstand auf DIN-A2-Papier: Die Figur wurde mit Bleistift ausgearbeitet, der Hintergrund mit Kohle gestaltet. So entsteht ein Kontrast zwischen äußerer Fassade und innerem Zustand. Takeshi & Leander Takt der Vernunft 50 x 70 cm Acryl auf Leinwand Die Grundlage unserer Arbeit bildet die Skulptur „Der singende Mann“. Der geöffnete Mund, die gespannte Körperhaltung und die geschlossene Sitzposition lassen eine Figur erkennen, die kraftvoll singt. Der Gesang wirkt emotional und dynamisch, wodurch eine Spannung zwischen äußerer Ruhe und innerer Energie entsteht. Diese Spannung diente als Ausgangspunkt für unsere Neuinterpretation in einem antiken Kontext. In der Antike spielte Musik eine bedeutende Rolle – auch im Zusammenhang mit Krieg, da sie Gemeinschaft stärkte, Mut vermittelte und Helden verherrlichte. Vor diesem Hintergrund entschieden wir uns für Alexander den Großen als Motiv. Seine Persönlichkeit vereinte Bildung, strategische Intelligenz und militärische Stärke. Die Harfe steht in unserer Darstellung sowohl für Kultur und Harmonie als auch für die antreibende Kraft der Musik. Alexanders Gesang kann so als antiker Kriegsgesang verstanden werden. Paul Poesie der Hoffnung 50 x 70 cm Bleistift auf Papier Im Zentrum des Bildes steht eine angekettete Figur, aus deren Rücken weitere Gestalten hervorgehen. Zu ihren Füßen breiten sich chaotische, unstrukturierte Muster aus, während sich nach oben hin ein geordnetes, zentriertes System entwickelt, das aus einem Punkt zu entspringen scheint. Kontraste bilden das zentrale Gestaltungselement: Licht und Schatten, Ordnung und Chaos, Struktur und Auflösung, Gebundenheit und Wille. Trotz ihrer Fesselung strebt die Figur nach Freiheit. Zwischen Chaos und Ordnung bewegt sich ihr Zustand – zugleich tragisch und hoffnungsvoll. Alina Schuhstapel 40 x 50 cm Acryl auf Leinwand Ausgangspunkt meiner Arbeit war das Motiv eines Zeitungsstapels, wie er in den Werken von Cornelius Völker erscheint. Besonders beeindruckt hat mich seine farbintensive Darstellung eines eigentlich unscheinbaren Alltagsgegenstands. Während ich mir zum Original eine ruhige, isolierte Situation vorstellte – eine Person, die allein Zeit mit dem Lesen von Zeitungen verbringt –, wollte ich in meiner Arbeit bewusst das Gegenteil zeigen: gemeinsam verbrachte Zeit mit nahestehenden Menschen. Die dargestellten Schuhe fungieren dabei als indirekter Hinweis auf Anwesenheit und Begegnung – als Spuren eines sozialen Moments. Gavin o. T. 50 x 70 cm Buntstift, Bleistift, Papier, Acryl auf Karton Mein Werk bezieht sich auf ein unbetiteltes Bild von Markus Lüpertz, das eine schwer erkennbare Gesichtssilhouette vor einer strukturierten Hintergrundfläche zeigt. Die Darstellung wirkt, als sei das Gesicht im Bild eingeschlossen. Diesen Ansatz habe ich aufgegriffen und ins Gegenteil verkehrt: In meiner Arbeit scheint das Gesicht mit Ausdruck von Wut aus dem Bild auszubrechen. Ein Komplementärkontrast verstärkt diese Wirkung – Grün steht für das Gefangensein, Rot für Emotion, Energie und Ausbruch. Ergänzt wird die Darstellung durch eine Hand, die als Symbol für Handlung und aktive Teilhabe gelesen werden kann – auch im Sinne demokratischer Freiheit. Selina & Minoo Freiheit im Wandel 33 x 17 x 17,5 cm Ton, Acryl, Draht, Karton Unser Konzept orientiert sich an Yves Kleins Idee, Kunst aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen und neu erfahrbar zu machen. Statt einer historischen Figur zeigen wir den Kreislauf der Natur. Im Mittelpunkt steht die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling. Sie verdeutlicht, dass Freiheit ein Prozess ist, der mit Veränderung einhergeht. Der blaue Schmetterling symbolisiert Unendlichkeit und das Überwinden von Grenzen. Die Arbeit wurde aus Ton modelliert und greift durch das Material bewusst die Tradition klassischer Skulptur auf. Felix & Felix o. T. 12 x 21 cm Getönte Folie Unsere Arbeit basiert auf dem Bild „ATAAA“ von Imi Knoebel. Wir haben das Motiv in transparente Streifen zerlegt und diese untereinander angeordnet. Die Installation ist so konzipiert, dass sie frei im Raum hängt und von Licht durchstrahlt wird. Durch die Überlagerung der transparenten Elemente entstehen neue Farbwirkungen und optische Effekte. Das Erscheinungsbild verändert sich je nach Blickwinkel und Lichteinfall. Ziel war es, Farbe, Raum und Transparenz miteinander zu verbinden und das zweidimensionale Bild in eine räumliche Erfahrung zu überführen. Anna & Frieda Beauty to Beast 42 x 69 cm Acryl auf Karton Unser Werk „Beauty to Beast“ setzt sich mit der ambivalenten Wahrnehmung von Natur auseinander. Ausgangspunkt war die Arbeit „Talking to Thunder“, in der ein Blitz zunächst ruhig und beinahe friedlich erscheint. Diesen Eindruck haben wir bewusst umgekehrt: In unserer Darstellung steht der Blitz für Energie, Unkontrollierbarkeit und Zerstörungskraft. Intensive Farben im Zentrum treffen auf einen dunklen Hintergrund und erzeugen einen starken Hell-Dunkel-Kontrast. Die dynamischen Linien vermitteln Bewegung und Spannung, während das leuchtende Zentrum geballte Energie symbolisiert. Das Werk thematisiert die Nähe von Faszination und Gefahr und hinterfragt das Verhältnis des Menschen zur Natur. Hannes & Moritz o. T. 75 x 110 cm Acryl auf Karton Ausgehend von der Form der „grünen Schlange“ entwickelten wir die Idee einer Rennbahn. Die geschwungene Linienführung erinnerte uns an eine Strecke, sodass sich diese Assoziation weiterentwickelte. Auch der Titel inspirierte uns: „Grüne Schlange“ kann, ähnlich wie bekannte Rennstrecken, als prägnanter Name verstanden werden. Im Arbeitsprozess haben wir verschiedene Ansätze geprüft und verworfen, bis wir mit der Rennbahn eine überzeugende und eigenständige Umsetzung gefunden haben. Halaz & Sevda o. T. 52,5 x 53,5 (Papier); 40 x 25,5 x 25,5 (Karton) Acryl, Papier, Ton, Karton Unsere Arbeit besteht aus zwei eigenständigen Teilen. Das erste Werk thematisiert Frauenrechte und zeigt einen weiblichen Körper ohne klar definiertes Gesicht. Dadurch entsteht Raum für Identifikation und individuelle Projektion. Die intime Darstellung nimmt Bezug auf das Werk „Zwei Grazien“. Das zweite Werk besteht aus einer schwarzen Kartonbox, deren Innenraum mit Zeitungsausschnitten gestaltet ist. Mehrere Öffnungen ermöglichen unterschiedliche Blickwinkel. Das zentrale Objekt aus Ton befindet sich im Inneren. Die bewusste Unperfektion verweist auf die Idee, dass auch Unvollkommenheit eine eigene Form von Ästhetik und Wahrheit besitzen kann. Leonard & Simon Sachlichkeit der Konstruktion 25 x 26 cm Metall, Holz Unser Werk versteht sich als Gegenentwurf zu Günther Ueckers „Poesie der Konstruktion“. Während Ueckers Arbeiten von Bewegung und Dynamik geprägt sind, setzen wir auf Ruhe und Struktur. Die Nägel sind in einer gleichmäßigen, kontrollierten Form angeordnet, wodurch eine ruhigere Wellenbewegung entsteht. Die handwerkliche Umsetzung stellte eine Herausforderung dar, da Präzision erforderlich war. Kleine Unregelmäßigkeiten bleiben sichtbar, beeinträchtigen jedoch nicht die Gesamtwirkung, sondern unterstreichen den manuellen Prozess. Dilav & Anna Im Dazwischen 70 x 50 cm Acryl, Karton auf Leinwand Das Werk zeigt eine Leinwand mit einem vielschichtigen blauen Hintergrund, der durch unterschiedliche Farbnuancen und sichtbare Pinselspuren lebendig wirkt. Darauf sind plastische Schmetterlinge angeordnet, die sich in Größe und Farbigkeit unterscheiden. Ihre dreidimensionale Gestaltung lässt sie deutlich hervortreten. So entsteht eine Komposition, die Bewegung, Leichtigkeit und Vielfalt vermittelt. Wadim & Adam o. T. 42 x 30 cm Fotodruck auf Papier In unserem Projekt haben wir den Effekt des Siebdrucks digital umgesetzt, um die Möglichkeiten digitaler Gestaltung zu untersuchen. Ausgangspunkt war ein fotografisches Selbstporträt, dessen Konturen wir digital nachgezeichnet und bewusst verschoben haben. Dadurch entsteht der charakteristische Versatz des Siebdrucks. Durch die Reduktion auf Schwarz-Weiß und die Ergänzung intensiver Farbflächen entwickelt sich eine klare, plakative Bildsprache. Diese orientiert sich an der Pop Art, insbesondere an den Arbeiten von Andy Warhol. Unser Ziel war es, analoge Druckästhetik in ein digitales Verfahren zu übertragen. Neuerwerbung
- YVES KLEIN
Yves Klein Klein in der Sammlung DEILMANN Ein Künstler, der Farbe zum Raum machte: Yves Klein verwandelt mit seinem ikonischen International Klein Blue und Performances wie Le Vide Kunst in pure Erfahrung. Seine radikalen Ideen und seine Suche nach dem Unendlichen machen ihn zu einer prägenden Stimme in der Sammlung Deilmann. Anna Deilmann, Kuratorin der Sammlung DEILMANN Yves Klein Der Künstler, der den Himmel signierte – Yves Klein schuf mit seinen radikalen Ideen eine neue Dimension der Kunst. Bereits als 18-Jähriger erklärte er den blauen Himmel über Nizza zu seinem ersten und größten „Monochrom“, ein Sinnbild für die Unendlichkeit und das Immaterielle, das ihn sein Leben lang prägte. Klein war nicht nur Maler, sondern auch Performancekünstler, Philosoph und Visionär. Sein unverkennbares International Klein Blue (IKB), ein intensives Ultramarinblau, das er 1960 patentieren ließ, wurde zum Symbol seines Werks und zugleich zu einem Medium für seine Suche nach dem Unfassbaren. Seine Kunst reichte von monochromen Gemälden und Schwammreliefs bis hin zu Performances wie der legendären „Anthropometrie der Blauen Epoche“, bei der er den menschlichen Körper selbst als Pinsel nutzte. Die Ausstellung Le Vide in der Pariser Galerie Iris Clert (1958), ein leerer, geweißter Raum, brachte das Konzept der Leere als Kunstwerk auf den Punkt. Als Mitbegründer des Nouveau Réalisme hinterfragte er die Grenzen der traditionellen Kunst und beeinflusste maßgeblich die Konzeptkunst. Yves Kleins Werk ist ein Dialog zwischen Materie und Immaterialität, zwischen Farbe und Raum. Er experimentierte mit Elementen wie Feuer, Wasser und Luft, schuf blaue Schwammreliefs für das Musiktheater in Gelsenkirchen und entwarf Kosmogonien, die der Natur ausgesetzt waren. Mit nur 34 Jahren starb er früh, doch sein Vermächtnis als Wegbereiter einer Kunst, die über das Sichtbare hinausgeht, bleibt zeitlos und inspirierend. Das Unsichtbare sichtbar machen – Yves Kleins Kunst wurzelt in Ideen, die weit über Leinwände und Räume hinausreichen. Mystik und Philosophie waren sein Fundament: Die Lehren der Rosenkreuzer inspirierten ihn, das Unendliche zu suchen, während Gaston Bachelards Gedanken über die Imagination und den Himmel sein Blau als Symbol der Transzendenz prägten. Doch Klein dachte auch durch den Körper. Judo, das er in Japan studierte, schärfte seinen Blick für Bewegung und Raum. Diese Verbindung von geistiger und körperlicher Disziplin formte nicht nur seine Performances, sondern auch sein Konzept von Kunst als Einheit von Materie und Idee. Für Klein waren Himmel und Erde nicht getrennt, sondern ein fließender Übergang – ein Raum, in dem seine Kunst lebendig wurde. Zwischen Himmel und Erde Wenn Blau sein Medium war, dann waren Schwämme, Feuer und Regen seine Werkzeuge. Yves Klein nutzte Materialien, die so lebendig und grenzenlos wirkten wie seine Vision. Mit Schwämmen schuf er Reliefs und Skulpturen, die organisch und fast atmend erschienen – wie eingefangene Bewegungen der Natur. Seine Feuerbilder, bei denen er mit Flammen malte, ließen die rohe Energie des Elements sichtbar werden, während seine Kosmogonien, die den Kräften von Regen, Wind und Sonne ausgesetzt waren, die Spuren der Natur auf der Leinwand einfingen. Klein dachte Kunst über ihre traditionelle Form hinaus. Materialien waren für ihn nicht statisch, sondern ein Teil eines größeren, oft flüchtigen Prozesses. Jedes Werk wurde so zu einer Schnittstelle zwischen Kunst und Natur, zwischen Kontrolle und Zufall – ein Experiment, das die Grenzen des Machbaren neu definierte. Grenzenlose Materialien In nur 34 Jahren schuf Yves Klein ein Vermächtnis, das die Kunstwelt nachhaltig veränderte. Als Mitbegründer des Nouveau Réalisme setzte er neue Maßstäbe, indem er die Grenzen zwischen Kunst und Leben auflöste und Alltägliches in den künstlerischen Kontext hob. Seine radikalen Ideen – von monochromen Gemälden bis zu Performances wie Le Vide oder seinem berühmten Sprung in die Leere – beeinflussten die Konzeptkunst und inspirierten Künstlergenerationen. Klein verstand Kunst als mehr als Objekt – für ihn war sie Erfahrung, Idee und Transformation. Sein Fokus auf das Immaterielle und seine Nutzung unkonventioneller Materialien machten ihn zu einem Vorreiter der Gegenwartskunst. Obwohl sein Leben tragisch kurz war, bleibt sein Einfluss grenzenlos: Yves Klein hat die Kunst nicht nur bereichert, sondern neu definiert. Ein radikales Vermächtnis in der Sammlung Deilmann Künstler der Sammlung Voriger Künstler Alle Künstler Nächster Künstler •1955: Propositions Monochromes in der Galerie Colette Allendy, Paris. •1957: Ausstellung in der Galerie Alfred Schmela, Düsseldorf, wo er die deutschen Künstler Heinz Mack und Otto Piene kennenlernte. •1958: Le Vide in der Galerie Iris Clert, Paris – eine legendäre Ausstellung, bei der die Galerie vollständig leer war und dennoch 3000 Besucher anzog. •1960: Teilnahme an der Monochrome und Feuer Ausstellung im Museum Haus Lange, Krefeld. •1961: Yves Klein: Monochrome und Feuer im Museum Haus Lange, Krefeld. •1962: Teilnahme an der Biennale von Venedig, wo er den französischen Pavillon gestaltete. •1983: Retrospektive im Centre Georges Pompidou, Paris. •2004: Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. •2020: Yves Klein: Der Himmel als Atelier im Centre Pompidou-Metz. •2023: Yves Klein, l’infini bleu im Atelier des Lumières, Paris. Ausstellungen Eine Farbe, die Grenzen sprengt: Yves Klein verwandelte Blau in eine universelle Sprache. Sein International Klein Blue (IKB), entwickelt 1955 und 1960 patentiert, war mehr als nur ein Farbton – es war eine Vision. Mit einer Formel, die das Pigment leuchtend und lebendig hielt, schuf er Werke, die den Betrachter nicht nur ansprachen, sondern förmlich verschlangen. In seinen Händen wurde Blau zu einem Medium des Immateriellen, eine Einladung in das Unendliche. Ob in seinen monochromen Gemälden, den Schwammreliefs oder performativen Werken wie der Anthropometrie der Blauen Epoche – IKB wurde zum Synonym für Kleins Idee von Kunst als Erfahrung, nicht als Objekt. Dieses Blau, das Himmel und Meer einfängt, hat nicht nur die Wahrnehmung von Farbe verändert, sondern auch die Kunstwelt revolutioniert. Ein Blau verändert die Welt Ein leerer Raum, ein blauer Abdruck, ein Sprung ins Nichts – Yves Klein definierte Kunst als Erlebnis jenseits des Greifbaren. Mit Performances wie Le Vide (1958) in der Galerie Iris Clert, wo ein vollständig leerer, geweißter Raum als das Kunstwerk selbst präsentiert wurde, oder der Anthropometrie der Blauen Epoche (1960), bei der er mit blauer Farbe bemalte Modelle als lebende Pinsel einsetzte, sprengte er die Vorstellung von Kunst als Objekt. Kleins Performances waren mehr als spektakulär – sie waren Manifestationen seiner Philosophie. Der berühmte Sprung in die Leere (1960), bei dem er sich scheinbar schwerelos durch den Raum bewegte, symbolisierte seine Suche nach dem Immateriellen. Jede dieser Aktionen verband seine Überzeugung, dass Kunst nicht nur gesehen, sondern gespürt werden muss, mit einer radikalen Neudefinition des künstlerischen Schaffens. Kleins Performances öffneten Türen zu einer neuen, konzeptuellen Dimension der Kunst, die bis heute nachwirkt. Performances & Konzepte


