Wie erklärt man einem Außerirdischen Kunst?
- vor 15 Stunden
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Was ist Kunst? Eine ziemlich einfache Frage oder etwa nicht?
In der Woche vor den Sommerferien wurde es in der Sammlung Deilmann ein bisschen außerirdisch: Im Rahmen einer Projektwoche des Hittorf-Gymnasiums Münster beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler mit einer ungewöhnlichen Aufgabe. Ein Außerirdischer war auf der Erde gelandet und hatte die Sammlung Deilmann besucht. Er kannte Kunst überhaupt nicht und hatte deshalb nur eine einzige Frage:
„Was ist Kunst?“
Die Schülerinnen und Schüler sollten ihm helfen, eine Antwort zu finden.
Was macht eigentlich eine gute Kunstvermittlung aus?
Zu Beginn ging es zunächst darum, selbst herauszufinden, wie Kunstvermittlung funktionieren kann. Die Schülerinnen und Schüler erlebten dafür zwei ganz unterschiedliche Arten, sich einem Kunstwerk zu nähern.
Die erste Variante war eine, für den einen oder anderen, klassische Führung: viele Informationen, zahlreiche Fakten und ein langer Monolog aber wenig Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen oder eigene Gedanken einzubringen.
Die zweite Variante sah ganz anders aus: Die Schüler wurden einbezogen, konnten Fragen stellen, eigene Ideen entwickeln, sich bewegen und Verbindungen zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen. Anschließend wurde gemeinsam diskutiert:
Welche Vermittlung hat mehr Spaß gemacht? Wann wurde etwas verständlicher? Was hat neugierig gemacht? Und was braucht es, damit man sich wirklich auf ein Kunstwerk einlässt?
Aus den Antworten entstanden nach und nach neun Merkmale guter Kunstvermittlung:
Partizipation, Dialog, Neugier, Perspektivwechsel, Emotion, Lebensweltbezug, Kreativität, Offenheit und Erlebnis.
Doch damit war die Aufgabe des Außerirdischen noch lange nicht gelöst.
Jetzt sind die Kunstvermittler:innen gefragt
In kleinen Gruppen übernahmen die Schülerinnen und Schüler jeweils eines dieser Merkmale. Ihre Aufgabe: Sie sollten ein eigenes Vermittlungsformat entwickeln, mit dem sie einem anderen Menschen – oder eben einem Außerirdischen – ein Kunstwerk näherbringen können.
Dabei waren der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Welche Fragen könnten wir stellen? Was sollen die anderen machen? Wie können wir ein Kunstwerk verständlich machen? Und vor allem: Wie können wir unser Merkmal so einsetzen, dass Kunst nicht nur erklärt, sondern erlebt wird?
Die Schülerinnen und Schüler wurden damit selbst zu Kunstvermittler:innen. Sie probierten ihre Ideen aus, diskutierten sie in der Gruppe und entwickelten sie weiter.
Neun Puzzleteile für einen Außerirdischen
Zum Workshop gehörte schließlich noch eine besondere Aufgabe: Jede Gruppe erhielt neben ihrem Vermittlungsmerkmal auch ein Puzzleteil.
Nach und nach präsentierten die Gruppen ihre selbst entwickelten Formate. Die anderen Schülerinnen und Schüler wurden dabei zu ihrem Publikum und probierten die unterschiedlichen Methoden direkt aus. Nach jeder Präsentation wurde gemeinsam überlegt:
Was hat funktioniert? Was hat geholfen, das Kunstwerk besser zu verstehen? Und wo konnte man das jeweilige Merkmal besonders gut erkennen?
Anschließend wurde das nächste Puzzleteil eingesetzt.
So entstand Stück für Stück ein Außerirdischer. 👽
Und genau darin lag die Idee des Workshops:
Gute Kunstvermittlung braucht nicht nur eine einzige Methode. Erst das Zusammenspiel verschiedener Aspekte macht eine Begegnung mit Kunst spannend, verständlich und persönlich.
Und was ist nun Kunst?
Zum Abschluss kehrten die Schülerinnen und Schüler noch einmal zur Ausgangsfrage zurück:
„Könntet ihr jetzt einem Außerirdischen erklären, was Kunst ist?“
Eine eindeutige Antwort gab es natürlich nicht. Und vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Denn Kunst lässt sich nicht auf eine einzige Definition reduzieren. Sie kann Fragen aufwerfen, irritieren, berühren, Spaß machen oder dazu bringen, die eigene Perspektive zu hinterfragen.
Genau darum ging es in dieser Projektwoche:
Nicht nur Kunst kennenzulernen, sondern selbst herauszufinden, wie eine Begegnung mit Kunst gelingen kann.
Wir bedanken uns bei den Schülerinnen und Schülern des Hittorf-Gymnasiums für ihre Neugier, ihre kreativen Ideen und die vielen unterschiedlichen Perspektiven auf unsere Sammlung.
Und wer weiß? Vielleicht landet der Außerirdische ja irgendwann noch einmal bei uns. 🛸🎨



