Vom ersten Blick zur eigenen Reaktion: Ein Projekt nimmt Form an
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- vor 35 Minuten
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Seit wir mit dem Schlaun Gymnasium zusammenarbeiten, passiert in unserer Sammlung einiges: Mit dem Projekt „Re+Aktion“ laden wir Schülerinnen und Schüler ein, Kunst nicht nur anzuschauen, sondern aktiv zu erleben und dabei ihren ganz eigenen Blick zu entwickeln.

Beim ersten Besuch ging es noch ziemlich frei zu: Die Schülerinnen und Schüler streiften durch die Räume, ohne dass wir ihnen erklärt hätten, was die Kunstwerke bedeuten oder wie sie entstanden sind. Die Leitfrage war simpel, aber herausfordernd: „Welches Werk ist für euch am meisten und welches am wenigsten Kunst?“ Die Antworten? Spannend und manchmal überraschend: „Für mich ist es keine Kunst, wenn man es einfach nachmachen kann“ oder „Es ist keine Kunst, wenn es langweilig ist.“ Schnell wurde klar, dass viele Kunst vor allem an Schwierigkeit, Technik, Bildlichkeit oder Aussage messen und nicht nur daran, wie sie aussieht.
Danach startete die eigentliche Herausforderung: Jede:r suchte sich ein Werk aus und sollte darauf künstlerisch reagieren. Ohne Grenzen, frei nach den eigenen Ideen. Dabei ging es nicht nur ums Gestalten, sondern auch darum, den eigenen Kunstbegriff zu hinterfragen und zu überlegen, wie er sich mit dem „klassischen“ Kunstverständnis verbindet.
Beim zweiten Besuch in der Sammlung wurden erste Entwürfe direkt vor den Originalwerken vorgestellt und gemeinsam besprochen. Im Mittelpunkt standen dabei weniger fertige Ergebnisse als vielmehr die zugrunde liegenden Ideen, Herangehensweisen und Fragestellungen. In der gemeinsamen Diskussion reflektierten die Schülerinnen und Schüler ihre Konzepte, gaben einander konstruktives Feedback und entwickelten ihre Gedanken weiter. Besonders aufschlussreich war, dass aus dem zunächst unvoreingenommenen Zugang Deutungen entstanden, die nicht zwingend der ursprünglichen Intention der Werke entsprachen, sich jedoch schlüssig aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler erklären ließen. Dadurch eröffneten sich neue Lesarten, die auch den Blick auf die Originalwerke veränderten und erweiterten.
Der Austausch beschränkte sich dabei nicht nur auf die Besuche in der Sammlung. Auch wir als Sammlung Deilmann machten uns auf den Weg zum Schlaun Gymnasium und begleiteten die beiden Kurse im Kunstunterricht. Dabei ging es uns nicht allein darum, Impulse für neue Ideen zu geben, sondern die Schülerinnen und Schüler auf ihrem ganz eigenen Weg zum fertigen Kunstwerk zu unterstützen. Gemeinsam wurden künstlerische Konzepte weiterentwickelt, Entscheidungen geschärft und die Reaktionen auf die ausgewählten Werke vertieft. So verlagerte sich die Arbeit bewusst in den schulischen Alltag und machte den kreativen Prozess auch für uns kontinuierlich erlebbar.
In den kommenden Unterrichtsstunden werden die Arbeiten nun weiter ausgearbeitet und vervollständigt. Anschließend folgt der nächste Schritt: Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entsteht ein kuratorisches Konzept, das die einzelnen Reaktionen miteinander in Beziehung setzt. Ziel ist es, die entstandenen Werke nicht nur für sich stehen zu lassen, sondern sie in einer gemeinsamen Ausstellung zusammenzuführen: Als sichtbares Ergebnis eines offenen, dialogischen und kreativen Prozesses.































