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Kricke in der Sammlung DEILMANN
Norbert Krickes Linien durchbrechen Grenzen und schaffen Freiheit im Raum – genau das macht ihn zu einem wichtigen Teil der Sammlung Deilmann. Seine Raumplastiken verbinden Kunst und Architektur zu einer Ästhetik, die Bewegung und Offenheit sichtbar macht. Ein Künstler, der Freiheit in Bewegung übersetzt.
Anna Deilmann, Kuratorin der Sammlung DEILMANN

Norbert Kricke von Ruth Baen
Linien, die Raum schreiben – so könnte man das Werk von Norbert Kricke beschreiben. Der 1922 in Düsseldorf geborene Bildhauer zählt zu den prägenden Stimmen der deutschen Nachkriegsmoderne. Nach einer klassischen Ausbildung bei Richard Scheibe und Hans Uhlmann in Berlin wandte er sich früh von der figürlichen Plastik ab und entwickelte in den 1950er Jahren seine unverwechselbaren Raumplastiken: filigrane Stahlskulpturen, die Dynamik und Leichtigkeit in den Raum bringen.
Krickes Arbeiten stehen in starkem Kontrast zur traditionellen Skulptur, die Masse und Volumen betont. Seine Plastiken, oft schwerelos wirkend, greifen Raum und Bewegung auf und machen diese zu den zentralen Themen seines Schaffens. Die Linie wurde für ihn zum Medium der Freiheit – ein Begriff, den er künstlerisch und philosophisch untrennbar mit Raum verknüpfte. Die zunehmende Expressivität seiner Arbeiten spiegelt sich in den gestischen, fast choreografischen Formen wider, die ab Mitte der 1950er Jahre entstehen.
Im öffentlichen Raum suchte Kricke, mit Werken wie der „Großen Mannesmann“ (1958-1961) oder der später veräußerten „Space Sculpture“ (1965) vor dem Los Angeles County Museum of Art in Los Angeles, die Strenge moderner Architektur zu durchbrechen und dynamische Kontraste zu setzen. Als Teilnehmer der documenta II (1959) und III (1964) sowie als Direktor der Kunstakademie Düsseldorf (1972–1981) prägte er die Kunstlandschaft weit über seine Plastiken hinaus. Norbert Kricke starb 1984 in seiner Heimatstadt Düsseldorf, doch seine Arbeiten bleiben zeitlos – ein Manifest für Bewegung, Raum und Freiheit.
Eine Linie, die den Raum durchquert und ihn gleichzeitig neu erschafft – Norbert Krickes Raumplastiken sind ein Spiel aus Bewegung, Leichtigkeit und Freiheit. Statt Masse und Volumen zu gestalten, ließ er filigrane Stahllinien den Raum schreiben, als wären sie gestische Spuren eines Tanzes. Seine Arbeiten treten in Dialog mit ihrer Umgebung, brechen die Strenge moderner Architektur auf und schaffen eine Dynamik, die den Raum selbst als Teil des Kunstwerks erfahrbar macht. Ob die „Große Mannesmann“ in Düsseldorf oder die „Space Sculpture“ in Los Angeles – Krickes Werke sind eine Hommage an die Freiheit, die in der Verbindung von Kunst und Raum liegt.
Linien, die Räume öffnen
Seine Werke sind mehr als Skulpturen – sie sind Interventionen im öffentlichen Raum, die Architektur und Umwelt miteinander verweben. Norbert Krickes Großplastiken, wie die „Große Mannesmann“ in Düsseldorf oder die „Space Sculpture“ vor dem County Museum of Art in Los Angeles, brechen mit starren geometrischen Strukturen und fügen Bewegung und Dynamik hinzu. Besonders seine Wassergestaltungen, etwa der „Wasserwald“ in Straßburg oder vor der Rheinischen Girozentrale in Düsseldorf, zeigen, wie Kricke Elemente wie Wasser und Transparenz in seine Kunst einfließen ließ. Seine Arbeiten fordern nicht nur den Raum heraus, sie verwandeln ihn in eine Bühne für Leichtigkeit und Freiheit.
Von Gelsenkirchen bis Los Angeles
Norbert Kricke ließ Kunst und Architektur miteinander sprechen, als wären sie zwei Seiten einer Idee. Seine Raumplastiken, die aus scheinbar schwebenden Linien bestehen, stehen im direkten Dialog mit der strengen Geometrie der Nachkriegsarchitektur. Diese Kontraste – zwischen filigraner Bewegung und massiver Struktur, zwischen Leichtigkeit und Rationalität – machen Krickes Werk einzigartig. Ob die dynamische „Große Mannesmann“ vor der klaren Fassade eines Bürogebäudes oder der rhythmische „Wasserwald“ im Innenhof der Rheinischen Girozentrale: Krickes Arbeiten verbinden informelle Kunst und funktionale Moderne zu einer neuen Ästhetik, die den Raum nicht nur füllt, sondern verändert.
Kontraste der Moderne
•1955: Kunsthalle Düsseldorf
•1957: Galerie Iris Clert, Paris
•1959: Teilnahme an der documenta II in Kassel
•1964: Teilnahme an der documenta III in Kassel
•1975: Retrospektive in der Kunsthalle Düsseldorf
•1980: Ausstellung im Josef Albers Museum, Bottrop
•1997: Martin-Gropius-Bau, Berlin
•1999: Museum of Contemporary Art, Skopje
•2006: Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
•2022: Museum Küppersmühle, Duisburg
Ausstellungen
•1955/1956: Große Raumplastik, Opernhaus, Theater Münster, Münster/Westfalen
•1957–1959: Relief „Große Flächenbahn in zwei Ebenen“, Stadttheater, Gelsenkirchen
•1958: Relief, Halle der Lufttechnischen Gesellschaft, Stuttgart
•1958/1959: Raumplastik „Große Kasseler“, Stadt Leverkusen
•1958–1961: Raumplastik „Große Mannesmann“, Düsseldorf
•1961: Relief „Flächenbahn“, Aula des Apostelgymnasiums, Köln
•1960–1963: Raumplastik, Aggertalklinik, Engelskirchen
•1961–1963: Raumplastik „Große Reux“, Park von Château de Reux, Reux (Normandie)
•1962: Raumplastik, Gelsenkirchen
•1963/1964: „Wasserwald“, Innenhof der Rheinischen Girozentrale, Düsseldorf
•1964–1965: „Space Sculpture“, County Museum of Art, Los Angeles
•1965/1966: Raumplastik „Große Fließende“, Fondation Maeght, St. Paul-de-Vence
•1966: Relief „Flächenbahn“, Eingangshalle der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, München
•1966: Raumplastik, Zentralbad, Düsseldorf
•1967: Raumplastik, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Braunschweig
•1967/1968: Raumplastik, Rheinisches Landesmuseum, Bonn
•1968: Raumplastik „Große Fließende“, Duisburg, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg (zerstört)
•1968: „Raumplastik 1962/IV“, Stadt Mönchengladbach
•1969: Raumplastik „Große Hatje“, Stuttgart
•1969/1970: Raumplastik „Große Fließende H. 69“, Kunstmuseum Düsseldorf
•1972/1973: „Großer Wasserwald“, vor der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg
•1973: „Stabplastik“, Eingangshalle der Firma Knauber, Bonn
•1974: „Raumplastik 1959–60“, Hirshhorn Museum (Skulpturengarten), Washington, D.C.
•1976: Entwurfsarbeit „Wasserwände“ für eine Platzgestaltung der Rundfunkanstalten, Köln
•1977: Raum-Zeit-Plastik „Große Giedion 1977“, Skulpturenpark Schmela, Düsseldorf-Lohausen
•1978/1979: „Wasserwald“, Gebäude des Europaparlaments, Straßburg
Großplastiken und Wassergestaltungen
•1958: Auf Vorschlag von Siegfried Giedion und Ludwig Mies van der Rohe wurde ihm der Preis der Graham Foundation for Advanced Studies in the Fine Arts in Chicago verliehen.
•1963: Kricke wurde mit dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Bildhauerei ausgezeichnet.
•1970: Er erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande.
•1971: Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises der Stadt Duisburg.
•1975: Kricke wurde das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Auszeichnungen
Norbert Kricke
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