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Cavael in der Sammlung Deilmann
Rolf Cavael vereint in seinem Werk eine einzigartige Verbindung von Mut und Vision. Seine Hinwendung zur ungegenständlichen Malerei in einer Zeit, die von politischer und kultureller Repression geprägt war, macht ihn zu einer herausragenden Figur der Kunstgeschichte. Für die Sammlung Deilmann ist er ein unverzichtbarer Künstler, weil er zeigt, wie Kunst unter schwierigsten Bedingungen entstehen und wirken kann. Seine Werke stehen für Freiheit, Innovation und eine Ästhetik, die sich über Konventionen hinwegsetzt.
Anna Deilmann, Kuratorin der sammlung DEILMANN

Registrierungskarte von Rolf Cavael als Gefangener im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau
Rolf Cavael (1898-1979) zählt zu den markantesten Vertretern der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Mit einer außergewöhnlichen Sensibilität für Form und Farbe prägte er die deutsche Nachkriegsmalerei. Nach einer frühen Ausbildung als Fotograf und einem Studium der Typographie und angewandten Graphik fand Cavael seinen Weg zur Malerei – eine Leidenschaft, die ihn 1924-1926 an die Städelschule in Frankfurt führte. Ab 1926/1927 ist Cavaels Interesse an den Bauhausideen fassbar, nachhaltig beeinflusste ihn die Bekanntschaft mit Wassily Kandinsky, dessen Abstraktionsgedanken unter anderem Cavaels Schaffen prägten.
Aufgrund seines künstlerischen Schaffens geriet Cavael zu einem Zeitpunkt, als seine Karriere in Berlin einen vielversprechenden Weg einzuschlagen begann, unter das Diktat der Nationalsozialisten, die seine Kunst als „entartet“ brandmarkten und ihn zwangen, sich aus dem aktiven Kunstgeschäft zurückzuziehen. Nach einer zwischenzeitigen Inhaftierung u. a. im Konzentrationslager Dachau 1936/1937 kehrte Cavael nach dem Ende des zweiten Weltkriegs zurück in die Kunstwelt und setzte seine Arbeit fort, indem er ab Mitte der 1940er Jahre organisch inspirierte Formen entwickelt und auch der Farbe zunehmend experimentierfreudig mehr Raum gegenüber der Linie gewährt.
In den 1950er Jahren etablierte sich Cavael zur zentralen Figur der abstrakten Malerei und Grafik, der als Mitbegründer der Gruppe ZEN 49 zum Sprachrohr der abstrakten Kunst wurde. Mit einer klaren geometrischen Ausdruckskraft und einer Reduktion auf das Wesentliche stellte er, maßgeblich auch beeinflusst von den Kompositionsgesetzen und der Harmonielehre der Musik, Fragen nach der Bedeutung der Farbe und der Wirkung von Form. Seine Arbeiten sind nicht nur Ausdruck seiner persönlichen Auseinandersetzung mit der Welt, sondern auch ein stetiges Streben nach einer Kunst, die auf die universellen, ästhetischen Gesetzmäßigkeiten des Lebens zielt. Cavael bleibt eine der einflussreichsten Figuren des Informel in der deutschen Nachkriegszeit.
Als einer der zentralen Künstler des deutschen Informel fand Cavael seine Position zwischen der Freiheit der Nachkriegskunst nach der Diktatur der Nationalsozialisten und der Suche nach neuen Ausdrucksformen jenseits des Figurativen. Anders als viele seiner Zeitgenossen, die sich stärker von dynamischen Pinselstrichen leiten ließen, bevorzugte Cavael eine subtilere, oft lyrische Herangehensweise. Seine Werke zeichnen sich durch ein harmonisches Zusammenspiel von Struktur und Bewegung aus, das weniger temperamentvoll, aber nicht minder kraftvoll wirkt. Diese einzigartige Balance verschaffte ihm eine Sonderstellung innerhalb der informellen Kunstszene.
Informel
Cavaels künstlerische Praxis war geprägt von Experimentierfreude und einem ausgeprägten Interesse für Materialität. Er nutzte unkonventionelle Werkstoffe und Techniken, um neue Texturen und visuelle Effekte zu erzeugen. Seine Malereien kombinierten oft unterschiedliche Schichten, die sowohl Tiefe als auch eine faszinierende Transparenz erzeugten. Dabei setzte er nicht nur Pinsel ein, sondern experimentierte auch mit Spachteln und anderen Werkzeugen, um die Oberflächen seiner Werke zu dynamisieren. Diese Herangehensweise verleiht seinen Arbeiten eine einzigartige Haptik, welche die Grenzen zwischen Malerei und Objektkunst auf die Probe stellt.
Materialität und Technik
•Gerhard Leistner (Bearb.): Rolf Cavael (1898–1979). Ein Künstler des deutschen Informel. Retrospektive zum 100. Geburtstag. Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 1998. Dieser Ausstellungskatalog beleuchtet Cavaels zentrale Rolle innerhalb des deutschen Informel und bietet eine fundierte Retrospektive zu seinem 100. Geburtstag.
•Carolin Weber (Hrsg.): Rolf Cavael. Abstraktion als lebendiger Kosmos. Galerie Maulberger, München 2007. Eine umfassende Auseinandersetzung mit Cavaels Werk, die seine künstlerische Philosophie und seinen Beitrag zur abstrakten Kunst analysiert.
•Museum Aschenbrenner (Hrsg.): Rolf Cavael (1898–1979). Malerei aus innerer Notwendigkeit. Katalog zur Sonderausstellung 12.07.–05.11.2023, Garmisch-Partenkirchen 2023. Die jüngste Publikation zu Cavael bietet neue Perspektiven auf sein Werk und enthält Beiträge von renommierten Kunsthistorikerinnen wie Carolin Weber und Karin Teufl.
Publikationen zu Cavael
•1949: Galerie Otto Stangl, München, Deutschland
•1950: Kunstverein Freiburg, Deutschland (Gruppenausst.)
•1955: Cercle Volney, Paris, Frankreich (Gruppenausst.)
•1958: 29. Biennale, Venedig, Italien (Gruppenausst.)
•1963: Retrospektive, Verona und München, Italien und Deutschland
•1978: Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Deutschland
•1978: Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, Deutschland
•2003, 2008, 2013, 2016, 2018, 2020: Galerie Maulberger, München, Deutschland
•2010: Galerie Dorn, Stuttgart, Deutschland (Gruppenausst.)
•2019: Museum Penzberg Sammlung Campendonk, Penzberg, Deutschland (Gruppenausst.)
•2023: Museum Aschenbrenner, Garmisch-Partenkirchen, Deutschland
Ausstellungen
•1957: Kunstpreis der Stadt München
•1958: Erster Preis der Internationalen Graphik-Triennale in Grenchen, Schweiz
•1968: Medaille „München leuchtet“
•1978: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
•1978: Lovis-Corinth-Preis der Künstlergilde e. V.
Auszeichnungen
Rolf Cavael betrachtete Abstraktion als universelle Sprache, die über die Grenzen des Sichtbaren hinausgeht. Für ihn war sie ein “lebendiger Kosmos”, in dem Form, Farbe und Emotion miteinander verschmelzen. Seine Werke, geprägt von graphisch anmutenden Linien und intuitiven Farbakzenten, wirken wie eine Momentaufnahme eines inneren Zustands – zugleich durchdacht und dynamisch. Cavael wollte keine konkreten Botschaften vermitteln, sondern Räume schaffen, welche die Betrachter zu einem unmittelbaren Kunsterleben und einer individuellen Interpretation einladen.
Cavael und die Abstraktion
Rolf Cavael
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