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Rehberger in der Sammlung DEILMANN

Seine Arbeiten verschieben die Grenzen zwischen Kunst und Alltag. Mit Projekten wie „The Moon in Alabama“ oder „Capri Moon“ transformiert Rehberger den öffentlichen Raum in eine neue, erlebenswerte Dimension, die den Betrachter einlädt, über gewohnte Wahrnehmungsmuster hinauszusehen.

Anna Deilmann, Kuratorin der Sammlung DEILMANN

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Tobias Rehberger - eigene Aufnahme, CC BY-SA 3.0

Kunst, welche die gewohnte Wahrnehmung herausfordert – das ist der rote Faden von Tobias Rehberger (geb. 1966). Mit raumfüllenden Installationen und verblüffenden Eingriffen in den Alltag lässt er Kunst und Design miteinander verschmelzen. Schon in den frühen 1990er Jahren mit Arbeiten wie „Die Fußballer“ (1990) im Bonner Kunstverein zeigte er, wie er Trivialität in einen künstlerischen Kontext überführt. Projekte wie „Maserati Quattroporte“ (2001) im Westfälischen Kunstverein Münster, bei dem eine leere Metallkiste als Luxusauto inszeniert wurde, stellen die Frage, was Kunst eigentlich ausmacht. Rehberger lädt den Betrachter aktiv ein, die Wahrnehmung der Welt neu zu denken. Mit Arbeiten wie dem „Skulpturenweg 24 Stops“ (2015-2016) zwischen dem Schweizer Riehen und dem deutschen Weil am Rhein und der Ausgestaltung der Cafeteria des Ausstellungspalasts der Biennale in Venedig unter dem Titel „Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen“ (2009) verändert er nicht nur Räume, sondern schafft interaktive Erlebnisse, die zum Umdenken anregen und den Dialog zwischen Kunst und Betrachter intensivieren. Anlässlich der Skulpturprojekte 1997 in Münster transformierte er die ungenutzte Dachterrasse eines Hörsaalgebäudes mithilfe von Teppich, Bar, DJ-Pult und Beleuchtung in einen öffentlichen Raum mit neuer, ungewohnter Aufenthaltsqualität, der von den Besuchenden der Kunstinstallation mit dem Namen „Günter’s“ rege angenommen und belebt wurde.
Durch seine skulpturalen Eingriffe in den öffentlichen Raum hat Rehberger einen Dialog zwischen Kunst und Alltag eröffnet, der konventionelle Wahrnehmungen aufbricht. Seine Werke, wie die bunte Umwandlung von Schaltkästen im Bahnhofsviertel in Münster oder die abstrakten Uhrenobjekte in der Staatsbibliothek Berlin, sind nicht nur ästhetische Objekte, sondern auch funktionale Elemente, welche die Grenze zwischen Kunst und Gebrauch verschwimmen lassen. Diese Werke fordern die Betrachterinnen und Betrachter heraus, alltägliche Dinge neu zu sehen und über ihre Bedeutung nachzudenken. Rehbergers Werke sind mehr als nur Kunst im öffentlichen Raum – sie sind ein interaktiver Raum, der das visuelle und soziale Umfeld verändert.

Öffentlicher Dialog

Rehberger entwirft in seinen raumgreifenden Installationen eine Welt, in der das Unsichtbare sichtbar wird. Mit meisterhaftem Umgang dekonstruiert er gewohnte Wahrnehmungsmuster und fordert die Betrachter:innen auf, die versteckten Dimensionen der Welt neu zu entdecken. Werke wie „The Moon in Alabama“ in Münster oder „24 Stops“ zwischen dem Vitra Campus des Vitra Design Museums und dem KunstmuseumFondation Beyeler verwandeln den Raum und entführen die Betrachter:innen auf eine andere Wahrnehmungsebene. Durch subtile Veränderungen und das Spiel mit der Wahrnehmung werden unsichtbare Strukturen und neue Perspektiven zugänglich, die unser Verständnis von Raum und Kunst tiefgehend hinterfragen.

Verborgene Konstruktionen

Kunst wird hier zu einer Spielwiese, auf der Raum, Objekt und Betrachter in einen interaktiven Dialog treten. Mit seinen raumgreifenden Installationen und interaktiven Werken verwandelt Rehberger Kunst in ein Erlebnis, das den Betrachter aktiv einbezieht. Werke wie „Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen“(2009) in der Cafeteria des Ausstellungspalasts der Biennale di Venezia oder die Brücke „Slinky Springs to Fame“(2011) in Oberhausen fordern die Besucher:innen heraus, nicht nur passiv zu konsumieren oder schlichtweg eine Brücke zu überqueren, sondern selbst Teil des kreativen Prozesses zu werden, neue Perspektiven zu entwickeln und den Raum auf überraschende Weise neu zu erleben.

Kunst als Spielwiese

in der Sammlung Deilmann

Künstler der Sammlung

•1992: 9 Skulpturen, Wohnung K. König, Frankfurt am Main •1993: Sammlung Goldberg / The Iceberg Collection, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen •1994: Goethe-Institut Yaoundé, Kamerun •1995: Cancelled projects, Museum Fridericianum, Kassel •1998: Kunsthalle Basel; Moderna Museet, Stockholm; Sprengel Museum, Hannover •1999: The Secret Bulb in Barry L., Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig •2000: The Sun from Above, Museum of Contemporary Art, Chicago; Jack Lemmon’s Legs and Other Libraries, Friedrich Petzel Gallery, New York •2002: Night Shift, Palais de Tokyo, Paris; Geläut – bis ich’s hör’, Museum für Neue Kunst Karlsruhe •2003: bitte…danke, Galerie der Stadt Stuttgart; Private Matters, Whitechapel Art Gallery, London •2005: I die every day, 1 Cor. 15,31, Palacio de Cristal, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid •2007: On Otto, Fondazione Prada, Mailand •2008: The chicken-and-egg-no-problem wallpainting, Stedelijk Museum, Amsterdam; Die „Das-kein-Henne-Ei-Problem“-Wandmalerei, Museum Ludwig, Köln •2009: Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen, Biennale di Venezia, Venedig •2010: flach. Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main •2010: EMSCHERKUNST.2010 mit der begehbaren Brückenskulptur “Slinky Springs to Fame” •2011: Junge Mütter und andere heikle Fragen, Essl Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg/Wien •2014: Tobias Rehberger. Home and Away and Outside, Schirn Frankfurt am Main •2016: Tobias Rehberger. presently, Galerie neugerriemschneider, Berlin •2022: Tobias Rehberger: I do if I don´t, Kunstmuseum Stuttgart

Ausstellungen

•1999: Förderpreis des Internationalen Kunstpreises des Landes Baden-Württemberg •2001: Otto-Dix-Preis der Stadt Gera •2003: Karl-Ströher-Preis, Frankfurt am Main •2007: 1822-Kunstpreis •2009: Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg •2009: Goldener Löwe der Biennale di Venezia für "Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen" •2009: Hector-Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim •2016: Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main •2023: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg

Auszeichnungen

•Staatsbibliothek zu Berlin (2013): Vier abstrakte Uhrenobjekte. •Vorgarten des Städel Museums, Frankfurt am Main: „Capri Moon“ (2011). •„The Moon in Alabama“ (2013-2014), Münster: Elf Schaltkästen rund um den Bahnhof wurden in bunte Kunstobjekte verwandelt. •„24 Stops“: Ein Kunstweg mit 24 Skulpturen und Installationen zwischen dem Vitra Campus des Vitra Design Museums und dem KunstmuseumFondation Beyeler. •„Something Else is Possible“ (2017): Landschafts-Werk für die Oku-Noto Triennale in Japan (Suzu), das auch nach der Ausstellung erhalten blieb.

Öffentlicher Raum

Tobias Rehberger

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