top of page

Fetting in der Sammlung DEILMANN

Rainer Fetting verkörpert mit seiner expressiven Farbigkeit und seinen Großstadtmotiven eine wichtige Facette der zeitgenössischen Kunst. Seine Werke spiegeln nicht nur den Geist der ‚Neuen Wilden‘ wider, sondern auch die kulturellen und politischen Spannungen seiner Zeit. Für die Sammlung Deilmann markiert Fetting eine Schlüsselposition, da er sowohl in der Malerei als auch in der Bildhauerei künstlerische Standards setzte, die bis heute inspirieren.

Anna Deilmann, Kuratorin der sammlung DEILMANN

Julian von Bismarck _ sammlung deilmann.png

Rainer Fetting © Samantha Dietmar 2016

Rainer Fetting (geb. 1949) ist ein bedeutender Vertreter der „Neuen Wilden“, einer Künstlerbewegung, die sich durch ihre expressiven Farben und figurative Malerei auszeichnet. In den 1970er Jahren war er Mitbegründer der Galerie am Moritzplatz in Berlin, einem wegweisenden Selbsthilfeprojekt junger Künstler, das später als Zentrum der „Jungen Wilden“ bekannt wurde. Fetting schuf Werke, die sich mit urbanen Themen wie der Berliner Mauer, Stadtszenen und Porträts auseinandersetzen. Neben seiner Malerei entwickelte er ein umfangreiches bildhauerisches Werk, vor allem in Bronze, darunter die bekannte Willy-Brandt-Statue im Atrium des Willy-Brandt-Hauses in Berlin. Fetting lebt und arbeitet in Berlin und auf Sylt.
Rainer Fetting nutzte die urbanen Landschaften Berlins als lebendige, pulsierende Kulisse für seine Malerei. In seinen Arbeiten verschmolzen die städtische Dynamik und die politische Spannungen der Zeit mit lebendigen Farben und kraftvollen Figuren. Besonders bezeichnend für sein Werk ist der symbolische Umgang mit der Berliner Mauer, die in Fettings Gemälden sowohl als physische Grenze als auch als Spiegelbild des geteilten Deutschlands fungierte. Die Mauer wurde zu einem wiederkehrenden Motiv, das Fetting in seiner expressiven Malerei sowohl als bedrohliche Mauer als auch als Symbol der Konfrontation und Spiegel der politischen Verhältnisse aufgriff. Mit seinen kräftigen, oft kontrastreichen Farben und den dynamischen, teilweise verzerrten Figuren veranschaulichte Fetting das chaotische und bewegte Leben in einer Stadt, die sowohl von politischen Konflikten als auch von kulturellen und sozialen Spannungen geprägt war. Seine Werke spiegeln eine Atmosphäre des Widerstands, der Rebellion und des Aufbegehrens wider, die in den 1980er Jahren in der Berliner Kunstszene und in der Stadt selbst allgegenwärtig war. Mit seinen Stadtbildern – von der Mauer bis hin zu nächtlichen Straßenszenen – schuf er eine intensive visuelle Sprache, die den Betrachter in die lebendige, oft widersprüchliche Welt Berlins eintauchen ließ.

Farben und Figuren im urbanen Raum

In seinen Arbeiten transformiert Fetting die menschliche Figur zu einem Medium, das Fragen zu Macht, Sexualität und gesellschaftlicher Norm aufwirft. Die Figuren, die Fetting in Bronze gießt, sind nicht nur statische Darstellungen, sondern agieren in einem Raum, der durch ihre körperliche Präsenz markiert wird. Die Körper in Fettings Skulpturen sind oft verzerrt oder fragmentiert dargestellt, was eine dynamische und konfrontative Wirkung erzielt. Besonders auffällig ist der expressiv kraftvolle Umgang mit Formen, die in ihrer Materialität – der Glätte und den runden, gewölbten Oberflächen der Bronze – mit einer rauen, fast aggressiven Physis kontrastieren. Diese Skulpturen sind nicht nur Körperdarstellungen, sondern auch Reflexionen über den Körper als gesellschaftliches und kulturelles Konstrukt. In Fettings Bronzeplastiken finden sich immer wieder Themen wie Machtverhältnisse, die sexuellen Spannungen in der Gesellschaft und die politische Symbolik von Körpern, die auf Widerstand und Veränderung hindeuten. Mit seinen Arbeiten fordert Fetting die Wahrnehmung des Betrachters heraus und lässt ihn über die Bedeutung und den Platz des menschlichen Körpers in unserer Gesellschaft nachdenken.

Skulpturen aus Bronze: Der Körper in der Raumwahrnehmung

Fetting war nicht nur ein Maler und Bildhauer, sondern auch ein Experimentator, der die Grenzen zwischen den verschiedenen Kunstformen aufbrach. Besonders auffällig ist, wie er Malerei, Skulptur und Film miteinander verband und eine interdisziplinäre Praxis schuf, die den Betrachter auf unterschiedliche Wahrnehmungsebenen führt. In Fettings Arbeiten verschmilzt die Figurative Malerei mit der physisch greifbaren Präsenz von Skulpturen, während gleichzeitig filmische Aspekte integriert werden, die eine narrative und zeitliche Dimension einführen. Seine Filme und Fotoarbeiten ergänzen die visuelle Kraft seiner Gemälde und Skulpturen, indem sie Bewegung und Veränderung in den Raum und die Bildwelt einfließen lassen. In den 1980er Jahren begann Fetting, filmische Techniken zu nutzen, um seine Arbeiten zunehmend in den Kontext einer kontinuierlichen, erzählerischen Zeit zu stellen – die statischen Figuren seiner Malerei und Plastik erhielten eine zusätzliche Dynamik. Durch diesen interdisziplinären Ansatz stellte er die traditionellen Kategorien von Kunst in Frage und bot neue Perspektiven auf den Raum, die Zeit und die menschliche Figur. Fettings Arbeiten sind somit ein lebendiges Beispiel für die Möglichkeiten, die sich eröffnen, wenn man die bestehenden Grenzen zwischen den Kunstformen überschreitet und miteinander kombiniert.

Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Film

in der Sammlung Deilmann

Künstler der Sammlung

•1977, 1978: Galerie am Moritzplatz, Berlin •1981, 1982: Anthony d’Offay, London, UK •1981: Bruno Bischhofberger, Zürich, CH •1981, 1982: Mary Boone, New York, NY, US •1982: Paul Maenz, Köln •1983: Yvon Lambert, Paris, FR •1984, 1986: Marlborough Gallery, New York, NY, US •1985, 1987: Galerie Daniel Templon, Paris, FR •1985: Galerie Thomas, München, DE •1986: Museum Folkwang, Essen, DE •1986: Kunsthalle Basel, CH •1987: Galerie Würthle, Wien, AT •1979, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988, 1989, 1991, 1992, 1993: Raab Galerie, Berlin/London, DE/UK •1989: Centre d´Art Santa Mònica, Barcelona, ES •1990: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/DDR •1990: Stadtmuseum Weimar, DE •1990: Galleria Gian Ferrari Arte Contemporanea, Mailand, IT •1994: Harenberg City-Center, Dortmund, DE •1995: Sammlung Martin Sanders, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg, RU •1995, 1996, 1999: Galerie Tammen und Busch, Berlin •1999: Galerie Michael Schultz, Berlin •1999: NBK, Berlin •2000, 2020: Stiftung Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Landesmuseum Schloß Gottorf •2001: Kunsthalle in Emden •1998, 1999, 2000, 2002: Boukamel Contemporary Art Gallery (BCA), London, UK •2004, 2005: Galerie Borchardt, Hamburg •1997, 2005: Kunsthalle Wilhelmshaven •1983, 1985, 1986, 1988, 2007, 2008: Studio d’Arte Cannaviello, Mailand, IT •2008: Gerhard-Marcks-Haus, Bremen •2009: Toskanische Säulenhalle, Augsburg •2010: Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf •2010: Kunsthalle Tübingen •1988, 1991, 1992, 1994, 1996, 1997, 2000, 2002, 2004, 2006, 2008, 2009, 2011, 2013: Galerie Pfefferle, München •2011: Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur, Berlin •2005, 2009, 2011, 2012: Galerie Deschler, Berlin •2013, 2014, 2017, 2020: Galerie Thomas Fuchs, Stuttgart •2020: Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Schloss Gottorf •2020: Dortmunder U, Museum Ostwall, Dortmund •2021: Van Gogh Huis, Zundert, NL

Einzelausstellungen (Auswahl)

•Art Gallery of South Australia, Adelaide, AU •Bayerische Akademie der Schönen Künste, München, DE •Berkeley Art Museum, CA, US •Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Berlin, DE •Bundeskanzleramt, Berlin, DE •Deutscher Bundestag, Berlin, DE •Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart (Sammlung Dr. Erich Marx), Berlin, DE •Hessisches Landesmuseum Darmstadt, DE •Klassik Stiftung Weimar, DE •Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen, Emden, DE •Kunsthalle Kiel, DE •Kunsthalle Wilhelmshaven, DE •Kunstmuseum Basel – Museum für Gegenwartskunst, Basel, CH •Kunstmuseum Walter, Augsburg, DE •Kunstsammlung Gera, DE •Kunstverein Bamberg, DE •Le Fonds Régional d`Art Contemporain, Auvergne, FR •Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, DE •Musée Cannes, FR •Musée Cantini, Marseille, FR •Musée Cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, CH •Musée d‘Art Contemporain, Bourg-en-Bresse, FR •Musée de la Passion, Lille, FR •Museum am Dom, Würzburg, DE •Museum Biedermann, Donaueschingen, DE •Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, AT •Museum Folkwang, Essen, DE •Museum für Neue Kunst / ZKM Karlsruhe, DE •Museum Gunzenhauser, Chemnitz, DE •Museum Ludwig, Aachen, DE •Museum Ludwigsburg, Ludwigsburg, DE •Museum of Contemporary Art, San Diego, CA, US •Nationalgalerie, Berlin, DE •National Gallery of Australia, Canberra, AU •National Gallery of Victoria, NGV Collection, AU •Remington Collection, Detroit, MI, US •Rogaland Museum of Fine Arts, Stavanger, NO •Sammlung des Bundesinnenministeriums, Bonn, DE •Sammlung Deutsche Bank, DE •Sammlung Würth, Künzelsau, DE •Städel Museum, Frankfurt am Main, DE •Stiftung Haus der Geschichte, Bonn, DE •Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank, Berlin, DE •Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, DE •Stiftung Stadtmuseum, Berlin, DE •TAMA, Tel Aviv Museum of Modern Art, Tel Aviv, IL •The National Museum of Art, Architecture and Design, Oslo, NO •Virginia Museum of Fine Arts, Richmond, VA, US •Weisman Collection, Los Angeles, CA, US

Werke in öffentlichen Sammlungen und Museen

Rainer Fetting war eine Schlüsselfigur der „Neuen Wilden“, einer Bewegung, die in den späten 1970er Jahren in Berlin aufkam und sich durch einen radikalen Bruch mit den etablierten Kunstrichtungen auszeichnete. Die Gruppe, zu der auch Künstler wie Salomé, Bernd Zimmer und Helmut Middendorf gehörten, stellte die akademische Kunstauffassung infrage und setzte auf expressive Farben, spontane Maltechniken und eine figürliche Darstellung, die mit der abstrakten Kunst dieser Zeit kollidierte. Fetting nutzte seine Gemälde, um urbane Szenen, Porträts und die Berliner Mauer in lebendigen, oft verstörend kraftvollen Bildern darzustellen. In seiner Kunst kam die rohe Energie der Stadt ebenso zum Vorschein wie die politische Unruhe der Zeit. Die „Neue Wilde“ suchten bewusst nach einem alternativen Ausdruck, der sich von dem distanzierten Stil der Konzeptkunst und Minimal Art abgrenzte, und suchten nach einer anderen Ausdruckskraft, die Fetting in seinen kraftvollen, dynamischen Kompositionen fand. Fetting setzte sich in seiner Kunst mit der urbanen Realität auseinander und schuf großformatige Darstellungen von Körpern und Stadtlandschaften. Dabei nutzte er eine Sprache der Provokation und der Unmittelbarkeit. In seiner Malerei lösten sich die Strukturen der traditionellen Perspektive auf, die Zeichen der Gesellschaft – von der Berliner Mauer bis hin zu den Gesichtern und Körpern der Menschen – wurden laut und ungeschönt in Szene gesetzt. So positionierte er die „Neue Wilde“-Bewegung zentral in der Kunstszene der 1980er Jahre.

„Neue Wilde"

Rainer Fetting

bottom of page